Viele Menschen hinter einer Pappkartonwand

Obdachlosigkeit im Winter

Hilfsorganisationen diskutieren über Unterbringung und Versorgung wohnungsloser Menschen

Wohin im Winter? Diese Frage stellten das Straßenmagazin bodo und die Wohnungsloseninitiative Gast-Haus, Mitgliedsorganisationen beim Paritätischen NRW, gemeinsam mit der Suppenküche Kana bei einer Diskussionsrunde vor dem Dortmunder Rathaus. Angesichts des nahenden Winters wurden Ansätze und Forderungen für die Unterbringung und Versorgung Wohnungsloser in Dortmund vorgestellt und besprochen.

In Dortmund steigen die Wohnungslosenzahlen drastisch an. Laut des Straßenmagazins bodo hat die Stadt Dortmund für das vergangene Jahr 660 sogenannte Wohnungsnotfälle an das Land gemeldet, ein Anstieg um mehr als 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zur offenen Straßenobdachlosigkeit gibt es keine Statistik, die Akteure beobachten aber auch hier deutliche Zunahmen.


Konzept gegen Wohnungslosigkeit


Dass dies problematisch ist, sieht auch die Stadt Dortmund. Sie hat daher entschieden, das Konzept gegen Wohnungslosigkeit grundsätzlich zu überarbeiten. So wurde beispielsweise ein erweiterter Neubau für die konstant überbelegte Männerübernachtungsstelle beschlossen.


Ideen, Forderungen, Kritik


Dies allein reicht nicht, finden bodo, das Gast-Haus und Kana. Der der Diskussionsrunde stellten sie zum Beispiel fest, dass die Unterbringung viel mehr an den Bedürfnissen der Betroffenen ausgerichtet werden muss. Ein Zugang zu Notschlafplätzen ohne vorherige Ämtergänge oder Kostenträger, mehr Tagesaufenthalte und die Beendigung von Vertreibung und Sanktionierung wurden gefordert. Neben der Kritik an den bestehenden Strukturen ergab die Diskussionsrunde aber auch andere Vorschläge und Ideen. So könnte eine Öffnung von U-Bahnstationen bei Minusgraden zumindest möglichen Erfrierungen entgegenwirken, eine gängige Praxis in vielen Großstädten. Für weitere Übernachtungsmöglichkeiten könnte die Öffnung von Pfarrhäusern und Kirchen sorgen.

Diskussionsrunde vor dem Dortmunder Rathaus
©Sebastian Sellhorst / bodo e.V.